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Borgstedts Wappen

Borgstedts Wappen finden Sie in der "Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein", eine Abteilung, die zum Landesarchiv gehört, siehe auch:

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/LASH/Benutzung/Wappenlandschaft/_documents/kommunaleWappenrolle.html

 

Die Wappengenehmigung/ -annahme erfolgte am 23.10.1996, die Flaggengenehmigung/ -annahme am 30.01.1998, Entwurfsautor ist Wolfgang Wissenbach, Borgstedt.

     

Wappenfiguren sind: Dingstock, Rad und Wellenbalken.

Zur Wappenbeschreibung:

In Grün ein schräglinker silberner Wellenbalken, begleitet oben von einem goldenen Dingstock, unten von einem goldenen Rad mit acht Speichen. Der Dingstock besteht aus einem kurzen Schaft, der oben in drei Ösen endet, durch die jeweils ein Ring gezogen ist.  

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Historische Begründung:
Der nördlich der Stadt Rendsburg in der ehemaligen Hüttener Harde gelegene Ort Borgstedt grenzte früher an die Eider, über die an dieser Stelle eine Fußgängerfähre führte. Seit 1784 bildeten stattdessen der Eiderkanal und seit 1895 der Nord-Ostsee-Kanal (Kaiser-Wilhelm-Kanal) die südöstliche Grenze der Gemeinde, die als bedeutende künstliche Wasserstraßen und als beispielhafte technische Leistungen ihrer Zeit Schleswig-Holstein mit dem Weltverkehr verbanden. Insbesondere in den 100 Jahren des Bestehens des Eiderkanals war die Fortbewegung der Schiffe durch Treideln ein namhafter Wirtschaftsfaktor und ein willkommener Zusatzverdienst für die Anwohner. Der silberne Wellenbalken im Wappen hebt die Bedeutung von Fluß und Wasserstraßen für die Region hervor und ruft die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die den Menschen früher zu ihrem Lebensunterhalt verhalfen, in Erinnerung. Das Rad steht als Symbol für die Beweglichkeit des Menschen schon in älterer Zeit, vor allem aber für die Mobilität der arbeitenden Bevölkerung heute, die ihre Arbeitsstätte oft in großer Entfernung vom Wohnort vorfindet. Als auffälligste Manifestation der Unrast des modernen Menschen berührt die Autobahn A7 im Nordosten das Gemeindegebiet. Die Vergangenheit Borgstedts als Bauerndorf repräsentiert der Dingstock, mit dem die Dorfbewohner früher zu Versammlungen zusammengerufen wurden. Er vertritt damit das alte Dorf als Rechtsbereich und als Lebensgemeinschaft. Die dominierende grüne Farbe betont die Naturnähe des ländlichen Raumes und die bis heute vorhandene Bedeutung der Landwirtschaft in der Gemeinde Borgstedt

 

Flaggenbeschreibung:
Links: Auf grünem Flaggentuch die Figuren des Gemeindewappens in flaggengerechter Tinktur.

Rechts: der Dingstock, Foto von Wiebke Delfs

Borgstedt sucht seinen Dingstock1

Mancher Leser, besonders der jüngere, wird an diesem Artikel verständnislos vorübergehen. Andere jedoch werden sich dieses Gerätes, das seit ungefähr 1750 bis noch vor zwei Jahrzehnten durch Borgstedt getragen wurde und leider seit einigen Jahren unsichtbar geworden ist, noch gut und gerne erinnern.

Wenn unsere Bauernvögte früher die Verordnungen der Gesetz- und Kreisblätter den Dorfbewohnern bekannt geben wollten, wenn z.B. Brandschauen in Sicht waren, wenn Pferdemusterungen stattfinden sollten, wenn die militärischen Musterungen der jungen Männer befohlen waren, usw., dann schrieben sie diese wichtigen Dinge auf einen Zettel und hefteten denselben zusammengefaltet an den Dingstock. In einer genau festgelegten Reihenfolge reisten nun die Bekanntmachungen und der Dingstock von Haus zu Haus durch das Dorf. Niemand ließ die Schreiben liegen, denn jeder war sich darüber klar, dass die Reise nicht in wenigen Stunden zu machen sei und dass von der schnellen Bekanntgabe das Wohl und Wehe des Einzelnen wie das der Gesamtheit abhängig war.

Die Weiterbeförderung war für einzelne Bewohner mit einigen Unbequemlichkeiten verbunden. Es hatte um 1880 der damalige Gastwirt Lensch den Dingstock nach Diekshof zu bringen. Als er um diese Zeit den Bauplatz des heutigen Meierschen Grundstücks an Schneider Nölting verkaufte, geschah das unter der Verpflichtung, dass Nölting von da ab die Überbringungspflicht übernahm. So blieb es.

Mit hoher Genugtuung stellen wir dieses Pflichtbewusstsein und die alte Gemeinschaftsgesinnung fest.

Wer unseren Dingstock nie gesehen hat, der stelle sich einen großen Schlüssel von ungefähr 15 cm Länge vor. Der Griff oben ist schon breit und verziert. Der Bart ist nicht vorhanden. die Stange ist nicht rund sondern 3 cm breit und 9 mm dick. In dieses stabförmige Eisen ist die Jahreszahl 1759 eingehauen. Die außerdem getrennt liegenden Buchstaben B und ST bedeuten Borg-stedt. durch zwei geräumige Löcher sind zwei größere eiserne schön gedrehte nahtlose Ringe gezogen, so dass durch schnelles Hin- und Herschwingen des Geräts ein Rasseln bzw. Klingeln entsteht.

Trug jemand den Dingstock vor 150 Jahren während der Dämmerung in die nicht oder schlecht beleuchteten Häuser, so brauchte er nur mit ihm zu rasseln. Jeder nahm die Bekanntmachungen mit Interesse in Empfang. Von einstiger Rauhheit des Eisens ist nichts mehr feststellbar. Das Gerät ist glatt, blank und Zeuge damaliger Handwerkskunst.

Wer war sein Hersteller? Wo stand die Schmiede? Welch eine Summe von Geschehnissen hat er miterlebt und überdauert. Generationen sind ins Grab gesunken. Er ist geblieben. Er soll bleiben. er wird bleiben. Er ist eine Zeuge ganz altertümlicher Form der Benachrichtigung und ein wertvolles Objekt volkskundlicher Forschung; aber leider ist er stumm. Wo ist er? 1933 war er noch da. Durch Bomben wurde er nicht zerstört. Liegt er vielleicht in einer Truhe? Hängt er wohl an einem Schlüsselbrett? Hat ihn ein fanatischer Altertumssammler zu seinen Zinnkrügen getan? Oder hat ihn jemand einst aus Versehen nicht weitergegeben und mag ihn jetzt nicht zurückreichen? 

Lieber Freund, schäme dich deswegen nicht! Wir danken dir, wenn du ihn treu aufbewahrest; aber nungib dies Ding an Lehrer Wulf oder an die Gemeindeverwaltung. Die Gemeinde Borgstedt ist der Eigentümer.

Am anderen Morgen war er da!

Bei meinen Besuchen des Landesarchivs habe ich 1950 den Dingstock im Schleswig- Holsteinischen Landesmuseum in Schloss Gottorp gezeigt. Man bezeichnete ihn als ein hübsches Stück seiner Art und photographierte das Gerät. Am 31.1 1951 bat die Museumsleitung die hiesige Gemeinde, unter Zusicherung des bleibenden vollkommenen Eigentumsrechts unseren Dingstock in die Sammlungen auf Schloß Gottorp einreichen zu dürfen.

Der Gemeinde- Ausschuss lehnte das ab und beschloss, den Dingstock im Gemeindebüro aufzubewahren.

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1)Nach meinem Artikel in der Schleswig- Holsteinischen Tagespost 1949 Lehrer Christian Wulf, Chronik von Borgstedt, 10 Oktober 1952, Seite 62

 

 

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