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Das Mittelalter           (wird derzeit bearbeitet!)

Mit dem Untergang des weströmischen Reiches 476 endete in Europa die Epoche der Antike. Nach der Völkerwanderung und der Gründung des Fränkischen Reiches – von König Chlodwig vereint – begann nun ein neues Zeitalter.

Das Mittelalter wird ungefähr auf das Jahr 500 datiert. Das Christentum entwickelte sich in der Folgezeit zu einem wichtigen politischen Träger, sodass Kirche und Staat eng miteinander verflochten waren. Im deutschsprachigen Raum etablierte sich das „Heilige“ Römische Reich zu einem „Nachfolgereich“ des antiken Imperiums. Im Osten lebte das Byzantinische Reich als griechische Form des Römischen Reiches weiterhin fort. Um das Jahr 1500 endete das Mittelalter.

Johannes A. Witt(1) gliedert seine Aufzeichnungen und Recherchen nach Jahrhunderten. Diese Vorgehensweise wird hier übernommen.

 

Das 5. bis 8. Jahrhundert

Erst Jahrhunderte nach der Völkerwanderung füllten sich die entvölkerten Gegenden auch im Land zwischen Eider und Schlei wieder mit Menschen. Von Norden kamen die Dänen(2)  vom Stamme der Jüten, von Süden holsteinische Sachsen. An der Eider trafen sie sich.

 

Der früheste schriftliche Hinweis auf die Besiedlung des Landes datiert aus dem Jahre 1231. Man findet ihn im Erdbuch (Grundbuch) des Dänenkönigs Waldemars II. Dort erscheint als deutsches Landmaß die Hufe, während im dänischen nach „Bo“ oder „Pflügen“ gemessen wird. Beide Bezeichnungen werden bei uns nebeneinander verwendet

.

Über 300 Jahre sollte Dänemark bis an die Eider und die Levensau reichen. Der Grenzverlauf wurde 1225 erstmals schriftlich festgehalten.

Aber so weit sind wir in der Chronologie noch nicht.

 

In der Zeit vom 6. bis in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts findet man in unserem Gebiet kaum Siedlungsspuren. Das dürfte immer noch die Folge der Auswanderung der Angeln und Sachsen sein.

Eine, wenn auch vage Möglichkeit, die Besiedlung zu datieren, besteht in der Deutung der Ortsnamen. Die „stedt-Namen“ deuten auf Orte hin, die schon vor 1000 Jahren bestanden haben.

 

Standort Borgstedt

Ob mit der Völkerwanderung auch der Siedlungsplatz Borgstedt völlig verwaiste darf bezweifelt werden. Erst ab dem 6. bis 9. Jahrhundert treffen wir hier eine zahlreichere Bevölkerung. Dazu bot dieser Platz zu viele Vorteile.

Der Platz lag außerdem noch an einer Furt auf einer Halbinsel, die in die Eider ragte. Sie schirmte so die Siedlung nach Süden ab.  Des weiteren umgab im Norden ein Ring von Mooren die Siedlung wie ein Schutzwall. Diese Naturfestung ließ sich - und wurde auch - zusätzlich befestigt: Daraus entstand eine Stätte mit einer Burg, Burg-stätte, Borch-stede, Borgstedt. 

 

 

Bild 13 Feuchtgebiete an der Eider

An dem so ermittelten Platz, jener heute kaum noch erkennbaren Halbinsel, sollen sogar noch Überreste von Ziegelsteinen (1)gefunden worden sein.

Diese Anmerkung allerdings deutet darauf hin, dass die Burganlage im Laufe der Zeit baulich den jeweiligen Erfordernissen angepasst wurde und sehr lange bestanden haben kann. Diese Feststellung stimmt mit einer Aussage (2) überein, nach der diese Burg bis in das 17. Jahrhundert hinein bestanden haben soll.

 

Möglicherweise liegen noch Burgreste von den Kanalbauten unbehelligt in der Erde an ihrem Platz.

Groß und mächtig wird sie nicht gewesen sein und die ursprünglichen Baumaterialien werden wohl kaum die Jahrhunderte überdauert haben. Aber ihr Name überdauerte die Zeit. 


(1) nach Schröder-Benatzki

(2) die Textpassage stammt aus einer nicht mehr bestimmbaren Quelle

 

Bild 14 Vermuteter Burgplatz

Das alles sind schon recht wahrscheinliche Angaben über den Anfang des Dorfes. Richtet man den Blick über den Anfang der Dorfgründung weiter zurück, so beginnen die Fäden der Geschichte immer dünner zu werden.

Der nächste Anhaltspunkt für eine Ansiedlung liegt etwa 600 Jahre weiter zurück. Um 300.n Chr. datiert man den Urnenfriedhof in Borgstedtfelde. Bereits damals war die Gegend bewohnt, lebten Siedler wahrscheinlich an dem Platz an der Eider, der durchaus schon befestigt gewesen sein kann

 

Die nächste Information über unsere Gegend betrifft zwar nicht mehr unser Dorf direkt.

Tacitus sagt allgemein zum Thema Burg folgendes:

Es gab durch Wall und Graben befestigte Orte. Die Befestigungen bestanden aus Flechtwerk, das mit gedrehten Seilen kreuzweise zu Wänden geschnürt waren, die auf Ringwällen standen.

 

Beschließen wir an dieser Stelle vorübergehend die Zeitreise in die Vergangenheit. Verlässlich scheint eine Dorfgründung ab etwa 900 n.C. zu sein. Seit dieser Zeit war der Platz an der Eider ununterbrochen bewohnt und so könnte unsere Burg(1)um 900 n.C. ausgesehen haben.

 

 

 

Bild 15 „Borgstedt um 900 n. Chr. / Blick  von der heutigen Rader Insel auf die Burg (Aquarell) 

 


(1)zu dieser Zeit bauten die Wikinger bereits Wälle mit Schießscharten

Bild 16 Burgplatz vom Treidelweg aus gesehen

 

 

Das 9. Jahrhundert (Wikingerzeit) 

Das 9. Jahrhundert (800-900) in Schlagzeilen:

Unter Karl dem Großen (747-814) stand das Frankenreich auf dem Höhepunkt seiner Macht

·  Die Dänen bildeten seit dem 8. Jahrhundert eine starke Zentralmacht.

·  Araber besiedeln die Ostküste Afrikas

·  Mongolen dringen in China ein

·Friesen lassen sich an der Westküste Schleswigs nieder; sichern in der Folgezeit das Land durch Deiche und bilden kleine Bauerfreistaaten.

 

Nach einer Jahrhunderte andauernden Ruhe kommt um die Wende zum 9. Jahrhundert politisch verursachte Unruhe in unser Gebiet. Zwei europäische Reiche beginnen sich auszudehnen, der Karolinger Karl und spätere Karl der Große im Süden und der Wikingerkönig und spätere erste Dänenkönig Göttrik im Norden.

 

Die Dänen, die ursprünglich im Süden Skandinaviens lebten, eroberten im 5. und 6. Jahrhundert Jütland, die benachbarten Ostsee-Inseln. Es war Göttrik gelungen, zunächst die Territorien von Schonen und der Inselwelt zwischen Ostsee und Kattegat bis Jütland zu einen und die einzelnen landsässigen, aber auch einzelne Wikingerstämme unter dem Namen „Dänen“ zusammenzufassen. Göttrik brachte die zahlreichen Wikingerfürsten dazu, ihn als König anzuerkennen und seinem Ziel, ein Großreich aufzubauen, zu folgen. Göttrik war der erste König der Dänen.

Das Reich Karls des Großen, ungleich größer als das des dänischen Königs Göttrik, erstreckte sich von den Pyrenäen bis zur Nordsee und vom Atlantik im Westen bis in das heutige Ungarn im Osten. Er ging zielstrebig daran, seine Staatsidee zu verwirklichen, das Christentum in den  Norden zu bringen und  sein Reich ebenfalls auszudehnen.

Bild 17 Siedlungsgebiete

Karl der Große beschloß, die Nordgrenze seines Imperiums auszudehnen und die dort ansässigen „Heiden“ (Holsten, Sachsen ,Stormarn, Dithmarscher, Wagrier) zu christianisieren. Zu diesem Zweck schloß mit den Wenden ein Bündnis, um den letzten Widerstand der Sachsen nördlich der Elbe zu brechen. Nach seinem endgültigen Sieg über die Sachsen überließ hat er den Wenden große Teile Holsteins. Einige Jahre später, um 810 n.Chr. wurden sie aller­dings wieder auf ihre alten Gebiete in Ostholstein zurückgedrängt, und der Sachsenwall entstand als Grenzlinie zwischen Sachsen (Holsten, Stormaren)einerseits und den  Wenden andererseits.

 

Das Owschlager Gebiet[1] wird bei dem Gerangel der beiden Großmächte zum Durchgangsland für dänische, fränkische uns sächsische Heere in Richtung Norden. Auf der Gegenseite dringt Göttrik auf dem alten Weg vom Selker Moor über Brekendorf zur Eider nach Süden vor, die er wahrscheinlich bei Borgstedt in Richtung Rade überschritt. Unser Bereich gehört somit zum politischen Niemandsland und ist somit gleichzeitig Kampfgebiet.

 

 Dazu zwei Anmerkungen:

o    Bauer Hans Bielfeld berichtet dem Archäologischen Landesamt, daß seit alter Zeit zwei Handelswege bei Borgstedt zusammenliefen und vermutlich an der alten Fährstelle über die Eider nach Rade weiterführten. Nach seinen Erinnerungen waren sie noch um 1910 deutlich als Fußwege (Pad) entlang dieser ehemaligen Straßen erkennbar.

 

 

 

Bild 18  Alte Handelswege nach Rade (gestrichelte Linie mit              )

 


[1] Heimatbuch Eckernförde.

Alte Handelswege nach Rade

Die obenstehende Karte der preußischen Landesaufnahme von 1879 verzeichnet noch diese Wege.

 

o    Bei Baggerarbeiten während des Baus des Nord-Ostsee-Kanals fand man hier zwei zweischneidige Schwerter, sogenannte sächsische Spathas, und von ihnen nicht weit entfernt, weitere wertvolle Waffen aus dem achten bis neunten Jahrhundert. Sie weisen auf die Grenzlage und einen strategisch wichtigen Übergang über die Alteider hin.

 

 

Bild 19 Bronzeschwert / Fundort Borgstedter See

Das Gebiet zwischen Eider und Schlei wird zum Aufmarschgebiet beider Großmächte

Göttrik beobachtete sehr genau, was der Frankenherrscher trieb. Sobald Göttrik die fränkische Bedrohung spürte, handelte er schnell entschlossen und besetzte das Land bis zur Eider. Karl reagierte prompt. Er befestigte den südlichen Bereich der Eider durch einer Burg in der Nähe von Itzehoe. Doch die militärisch gespannte Lage blieb erhalten.

 

Im Jahre 804 schien sich eine große Konfrontation beider Reiche anzubahnen als der dänische König Göttrik (1) mit seiner Reiterei und Seiner Flotte in Schleswig erschien, das im Grenzgebiet zwischen seinem Reich und dem der Sachsen lag, die Karl der Große vorher unterworfen hatte. Göttrik sah darin eine Bedrohung seines Reiches und ließ etwa 808 das schon vorhandene Danewerk(2) zum Schutz von Jütland gegen Angriffe und Invasionen aus dem Süden verstärken. Denn die Spannungen zwischen dem Frankenreich und den Dänen waren offensichtlich.

Zu direkten Verhandlungen zwischen den beiden Herrschern kam es damals nicht, auch blieb die von Göttrik befürchtet Konfrontation mit dem Frankenkaiser blieb ebenfalls aus.

 

Göttriks Wikingerzüge reichten oft, wenn auch nur kurz, in das fränkische Gebiet hinein. Als eine spätere Zusammenkunft der beiden Könige in dem heutigen Bardenfleth in der Absicht, über die Grenzfrage zu verhandeln, ergebnislos verlief, besetzte Karl daraufhin das Land bis zur Eider.

Göttrik fiel bald auf einem Kriegszug gegen die Friesen und sein Nachfolger Hemming sucht seinerseits bei Karl um Frieden nach. Beide trafen sich 811, wie damals üblich, an der Grenze ihrer Herrschaftsbereiche, an einem nicht namentlich bekannten Ort (3) an der Eider. Da dafür nur wenige Stellen am Fluß mit einer Furt in Frage kamen, darf man davon ausgehen, daß möglicherweise die Borgstedter die Ausrichter dieses Gipfeltreffens waren. Zwölf Franken und ebenso viele Dänen verhandelten über den Grenzverlauf. Das Verhandlungsergebnis wurde schriftlich und von den jeweils zwölf Zeugen jeder Partei beeidigt.

Damit war die Eider die Grenze zwischen beiden Herrschaftsbereichen festgelegt aber unser Gebiet erfährt dennoch eine doppelte Zuordnung: politisch gehört es zu Dänemark mit der Eider als Grenze aber militärisch zum Frankenland mit dem Danewerk als Grenze. Es blieb dadurch so etwas wie ein Niemandsland, was auch niemanden sonderlich störte, denn es blieb lange Zeit siedlungsarm von seinen dichten, zusammenhängenden Wäldern geschützt. Allerdings führten durch das Gebiet schon zu karolingischer Zeit vielbefahrene Durchgangsstraßen, von Jütland über Rendsburg nach Süden.

 

Wird fortgesetzt.

 

 


(1) Offa 69

(2)das älteste, aus drei Wällen bestehende System ist nach neueren Forschungen auf  737 datiert.

(3) die Siedlung Borgstedt mag damals vermutlich zu unbedeutend gewesen sein, um namentlich in der Urkunde erwähnt zu werden

 

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