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Liebe Leserin, lieber Leser,


das Thema der Bürgermeister in Borgstedt beinhaltet eine große Herausforderung für das Chronik- Team.
 Die Bürgermeister und ihr Wirken zum Wohle der Gemeinde sind unter den Anforderungen der jeweiligen Legislaturperioden im Zusammenhang darzustellen. Dabei wollen wir auch die jeweiligen Presseberichte entsprechend berücksichtigen.

Hier zunächst eine tabellarische Darstellung der Amtszeiten unserer Bürgermeister in Borgstedt nach 1945:

Möglicherweise steht noch eine Korrektur an!

07 / 1945 - 04 / 1946           Heinrich Behrnsen
10 / 1946 - 11 / 1948           Karl Seemann (SPD) 
11 / 1948 - 04 / 1951           Wilhelm Kruse (CDU)
04 / 1951 - 04 / 1974           Karl Seemann (SPD) – Stv. Bernhard Lüneburg
04 / 1974 - 03 / 1986           Bernhard Lüneburg – Stv. Karl Seemann
ab März 1977                       Christa Andritzke 
03 / 1986 - 1990                  Willi Hoffmann (SPD) – Stv. Dr. Horst Carsten Groth (CDU)
1990 - 2003                         Willi Hoffmann (SPD) – Stv. Gero Neidlinger (CDU) 
04 / 2003 – 2009                  Gero Neidlinger (CDU) – Stv. Manfred Glückstadt (SPD)
2009 – 2013                         Gero Neidlinger (CDU) – 1. Stv. Wilfried Roggenbuck (CDU)
                                                                                         2. Stv. Gerd Sander (CDU) 
2013 – 2018                         Gero Neidlinger (CDU) – 1. Stv. Manfred Glückstadt (SPD)
                                                                                         2. Stv. Werner Sick (UWG) 
2018 – …                              Gero Neidlinger (CDU) – 1. Stv. Wilfried Roggenbuck (CDU)
                                                                                         2. Stv. Werner Sick (UWG)

 

 

Die Bürgermeister in Borgstedt1)

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, als das „Dritte Reich“ am 9. Mai 1945 zusammengebrochen war und die britische Besatzungsmacht die Gewalt ausübte, leitete der beauftragte Bürgermeister Heinrich Behrnsen ab 15. Juli 1945 die Verwaltung des Dorfes. Er wurde am 6. Januar 1946 zum Gemeindedirektor ernannt und am 16. April 1946 übernahm Jürgen Tank, jun. das Amt des Bürgermeisters. 

Der turbulenten ersten Nachkriegszeit mit ihren riesigen Problemen der Bewältigung des Flüchtlingszustroms aus den Ostgebieten folgte eine lange und kontinuierliche Leitung der Gemeinde durch die SPD vom 1. Oktober 1946 bis 1974 mit dem Bürgermeister Karl Seemann.

Diese sozialdemokratische „Regierung“ wurde nur von November 1948 bis April 1951 durch eine CDU-Mehrheit mit Wilhelm Kruse als Bürgermeister unterbrochen. Ein Vierteljahrhundert lang leitete der SPD-Bürgermeister Karl Seemann die Geschicke des Dorfes mit Souveränität, gestützt auf eine konstante Mehrheit der SPD mit 6 bis 7 Gemeindevertretern gegenüber 4 bis 5 Vertretern der CDU.

Ansätze zur Gründung einer dritten politischen Kraft als bürgerliche Wählerinitiative verliefen im Sande, so dass anders als in vielen Nachbargemeinden in Borgstedt nur die beiden großen Parteien vertreten waren. Die mit starkem Willen und aufopferungsvollem Einsatz geführte Leitung der Gemeinde durch Karl Seemann ergab fast immer große Übereinstimmung mit der gegnerischen Fraktion. Es kam kaum zu Kampfabstimmungen. Das lag nicht nur an Karl Seemann, sondern auch an der Konzilianz seines Stellvertreters Bernhard Lüneburg, der ab 1950 die CDU leitete. 

Die dritte Periode der politischen Führung der Gemeinde begann 1974. Bürgermeister Seemann erkrankte während seiner letzten Amtsperiode schwer (Amputation eines Beines), so dass sein Stellvertreter Lüneburg die Geschäfte führen musste. Bei den Kommunalwahlen im April 1974 gab es einen „Erdrutsch“. Die Sitzverteilung in der Gemeindevertretung wandelte sich zahlengleich um: 7 CDU-Vertreter, 4 SPD-Vertreter. Die Vertretung wählte Bernhard Lüneburg zum Bürgermeister, Karl Seemann zum Stellvertreter. Lüneburg setzte sich mit ganzer Kraft für die Gemeinde ein, wie er es auch schon vorher während der Erkrankung Seemanns getan hatte. Nach dem Tode von Karl Seemann im März 1977 übernahm Frau Christa Andritzke sein Amt als stellvertretende Bürgermeisterin.

Auch nach dem Wechsel 1974 blieb die Zusammenarbeit beider Fraktionen – der CDU und der SPD – konstruktiv und vertrauensvoll. Lüneburg übernahm die wöchentlichen Sprechstunden des Amtes Wittensee in der Schule. Die Dorfbewohner erkannten es an, dass sie jederzeit bei ihm Rat und Hilfe erhalten konnten, wobei er seine persönlichen und familiären Belange hintansetzte. Er bemühte sich stets um Ausgleich. 

Die Kommunalwahlen am 2. März 1986 brachten eine für fast alle Einwohner überraschende Änderung in der Zusammensetzung der Gemeindevertretung. Bernhard Lüneburg hatte aus Altersgründen (76 Jahre alt) nicht mehr kandidiert. Dies mag neben dem allgemeinen Trend im ganzen Lande zur SPD hin mit ein Grund dafür gewesen sein, dass die SPD 6 Sitze errang, die CDU 2 Sitze verlor und nun mit 5 Sitzen in der Minderheit war. Die Gemeindevertretung wählte Willi Hoffmann von der SPD zum Bürgermeister, Dr. Horst Carsten Groth von der CDU zu seinem Stellvertreter. Auch der neue Bürgermeister übernahm trotz beruflicher Belastungen wieder die wöchentlichen Sprechstunden. Sein intensiver Einsatz für die Belange der Gemeinde und seine sehr sachliche, bestimmte Amtsführung fanden ihre Anerkennung in der Kommunalwahl im März 1990. Er erhielt eine überzeugende Bestätigung durch die Wähler und wurde wieder zum Bürgermeister gewählt. Zu seinem Stellvertreter wählte die Gemeindevertretung Gero Neidlinger von der CDU.

Wird fortgesetzt!

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1) Hoffmann, Alfred: Borgstedt, Rendsburg: Heinrich Möller Söhne GmbH & Co. KG, 1992 

  

Die Beschreibung der Lebensgeschichte einer bekannten Persönlichkeit beruht, sofern keine persönlichen Dokumente vorliegen, auf biografische Erzählungen oder Interviewprotokollen.

Zeitungsartikel sind oftmals sog. Interviewprotokolle und wir wollen hier die Historie unsere Bürgermeister mit uns vorliegenden Zeitungsberichten ergänzen.

Wir beginnen mit einem Bericht der Landeszeitung vom 14.09. 1989 über unseren Bürgermeister Bernhard Lüneburg.

"Mit 80 noch immer dabei

Bernhard Lüneburg hat „großen Geburtstag“

BORGSTEDT (bi). Wer Borgstedts Ehrenbürgermeister Bernhard Lüneburg zu Hause antreffen möchte, muß schon vorher einen Termin vereinbaren. Denn er ist noch sehr aktiv und gefragt. Heute wird der gebürtige Dithmarscher 80 Jahre alt. Aber für den Ruhestand ist er noch viel zu umtriebig. Bald 35 Jahre gehört er dem Kirchenvorstand an, als Geschäftsführer sitzt er im Vorstand des Kyffhäuser-Kreisverbandes Eckernförde, immer noch fungiert er als Jagdvorsteher.

 Die Liebe führte Bernhard Lüneburg nach Borgstedt. Er heiratete 1947 die Witwe Anne Rathje und bewirtschaftete mit ihr zusammen den Familienbetrieb in Borgstedtfelde, bis ihr Sohn Klaus 1964 das Hoferbe antreten konnte. Daß er Landwirt werden sollte, stand für Lüneburg nicht von vornherein fest, obwohl er Bauernsohn aus Dellbrück ist. Denn 1931 bestand er im Meldorfer Gymnasium das Abitur. Er wollte Landvermesser werden. Doch nach dem ersten Semester in Bonn kehrte er in die Heimat zurück. „Die Aussichten waren für uns damals bei sechs bis sieben Millionen Arbeitslosen noch viel schlechter als heute“, erinnert sich Lüneburg. Er arbeitete danach zu Hause und auf anderen Höfen.

Als 1948 in Borgstedt ein CDU-Ortsverband gegründet wurde, war Bernhard Lüneburg dabei. Seitdem gehört er der Union an. 1950 wählten ihn die Borgstedter in die Gemeindevertretung, „ein paar Jahre später war ich stellvertretender Bürgermeister“, erzählt er. 1974 löste er dann Karl Seemann (SPD) als Bürgermeister ab. Weitere Ämter kamen hinzu: Schulverbandsvorsteher und stellvertretender Amtsvorsteher.  

1985 erhielt Bernhard Lüneburg das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Kommunalpolitik.  

Nach den wichtigsten Ereignissen seiner zwölfjährigen Amtszeit befragt, muß Lüneburg erst ein wenig nachdenken. Der Zusammenschluß der Gemeinden Lehmbek und Borgstedt („das brachte Geld“: 150 Mark „pro Kopf“), der Bau der Turnhalle und die Planung der Ortsentwässerung mit dem Anschluß ans Rendsburger Klärwerk nennt er. 

Daß Lüneburg nach drei Legislaturperioden nicht wieder für Mandat und Ehrenamt kandidierte („die wollten mich noch nicht gehen lassen“) hatte einen privaten Grund. Seine Frau Anne war krank und bedurfte seiner Hilfe. So übernahm er als 75jähriger die Haushaltsführung. Und wenn es möglich war, beteiligten sich die Eheleute – immer bereit zu einem fröhlichen Klönschnack – trotz ihrer schweren Gehbehinderung am gesellschaftlichen Leben. „Ich bin heute froh, daß ich das gemacht habe“, sagt Bernhard Lüneburg zu seiner damaligen Entscheidung. Denn seine Frau ist im Juli dieses Jahres gestorben. So wird sein Geburtstag durch wehmütige Erinnerungen getrübt. 

„Und ich begrüße den Borgstedter Bürgermeister Bernhard Lüneburg“, sagte kürzlich TSV-Vorsitzender Jürgen Lensch bei der Einweihung der Tennisplätze. Dieser Versprecher ist bester Beweis dafür, daß der Name Lüneburg noch untrennbar mit der Gemeinde verbunden ist. Niemand protestierte und der jetzige Amtsinhaber Willi Hoffmann (SPD) schmunzelte nur. Er freut sich auch, wenn er seinen Vorgänger zu den Sitzungen als Zuhörer willkommen heißen kann. Und meistens ist Bernhard Lüneburg dabei.

 

Willi Hoffmann gemeinsam von SPD und CDU gewählt

SPD-Bürgermeister löste Bernhard Lüneburg ab2)

 BORGSTEDT (bi) Unter günstigen Vorzeichen begann die neue Legislaturperiode in Borgstedt. Mit starkem Beifall begrüßten die etwa 40 Zuhörer ihren neuen Bürgermeister Willi Hoffmann. Der Sozialdemokrat wurde einvernehmlich von SPD und CDU gewählt; er selbst enthielt sich der Stimme.

Ebenso einmütig verliefen die weiteren Wahlen in der konstituierenden Sitzung am Mittwoch abend in der Gastwirtschaft „Lindenhof“, obwohl die Mehrheit von Schwarz auf Rot gewechselt hatte. Das Amt des 1. stellvertretenden Bürgermeisters übernahm Dr. Horst-Carsten Groth (CDU) von Christa Andritzke (SPD). 2. Stellvertreter ist Hans-Peter Genge.

Dem Wahlprüfungsausschuß gehören Jens-Peter Eggers und Christa Andritzke (SPD) sowie Gerd Hansen (CDU) an.  Den Finanzausschuß bilden Hans-Peter Genge (Vorsitzender), Manfred Glückstadt und Christa Andritzke von der SPD sowie Peter Naeve und Wolfgang Sauer von der CDU.

Der Bau- und Wegeausschuß setzt sich zusammen aus Dr. Horst-Carsten Groth (Vorsitzender) von der CDU sowie Hans-Peter Genge und Otto Kulp von der SPD. Als wählbare Bürger kommen Kurt Meyer und Dieter Greve hinzu. In den Kultur- und Sozialausschuß wurden gewählt: Jens-Peter Eggers (Vorsitzender) und Otto Kulp (SPD) sowie Paul Schnödewind (CDU) und als wählbare Bürger Birgit Stolley sowie Peter Leibe. Die Jahresrechnung werden Peter Naeve (CDU) sowie Jens-Peter Eggers und Manfred Glückstadt prüfen.

In den Amtsausschuß wurden neben Bürgermeister Willi Hoffmann Wolfgang Sauer und als Vertreter Hans-Peter Genge sowie Dr. Horst-Carsten Groth gewählt. Neben Willi Hoffmann vertreten Christa Andritzke und Dr. Groth die Gemeinde Borgstedt in der Versammlung des Schulverbandes Borgstedt.  

Mit Beifall verabschiedete die Versammlung die ausgeschiedenen Gemeindevertreter und bürgerlichen Mitglieder. Vier Jahre gehörte Günter Barembruch der Vertretung an. Seit 1979 arbeitete Ernst Homeister im Kultur- und Wegeausschuß mit. Hans Reimers und Hermann Kagelmann wirkten genau 20 Jahre im Bau- und Wegeausschuß mit.

Ein besonders herzlicher Applaus galt aber Bernhard Lüneburg (CDU), der insgesamt 13 Jahre Bürgermeister für alle Borgstedter war. Nach 35jähriger Mitarbeit in der Gemeindevertretung zog er sich aufs wohlverdiente „Altenteil“ zurück. Anfang Mai wird er sich in einer Feier offiziell von Mitbürgern und Mitstreitern verabschieden.

Seit sieben Jahren gehört Willi Hoffmann der Borgstedter Gemeindevertretung an. Der 46jährige, der als Werkführer in der Werft Nobiskrug arbeitet, wurde im heutigen Ortsteil Lehmbek geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne, die neun und zehn Jahre alt sind. Seine Hobbys sind Fußball und Feuerwehr. Willi Hoffmann wollte, wie er erzählte, eigentlich gar nicht Bürgermeister werden. Aber die große Zustimmung der Bürger, er erhielt die höchste Stimmenzahl bei der Wahl, habe ihn überzeugt und ermutigt.

2) Landeszeitung vom 18.04.1986

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