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In "Borgstedt, eine Chronik von Alfred Hoffmann"2) liegt folgender Artikel vor:

Die Poststelle Borgstedt

„Zur Verbesserung der Posteinrichtungen in dem Orte Borgstedt, habe ich in Aussicht genommen, daselbst demnächst eine Posthülfsstelle in Wirksamkeit treten zu lassen…Bei der Posthülfstelle findet ein Verkauf von Postzeichen statt; ferner können bei derselben gewöhnliche Briefsendungen und Zeitungen, sowie gewöhnliche Pakete in Empfang genommen werden und gewöhnliche Briefsendungen, sowie gewöhnliche Pakete zur Versendung mit der Post aufgeliefert werden…“ Mit dieser Verfügung des Kaiserlichen Oberpostdirektors in Kiel vom 24. März 1882 und der Übertragung der Verwaltung dieser „Posthülfsstelle“ an den Lehrer Johann Friedrich Steinbock ab 1. Mai 1882 begann die Postelle Borgstedt. Sie hatte zu Beginn ihren Sitz im Hause des Lehrers, besaß jedoch noch nicht die Eigenschaft einer Postanstalt im gesetzlichen Sinne des Wortes, sondern war lediglich eine Ergänzung des Landpostdienstes und nur Anlaufstelle des Landbriefträgers, der von Rendsburg kam. Man konnte aber bei ihr Briefmarken kaufen und Sendungen einliefern. Die jährliche Vergütung betrug 50 Mark.

Im Herbst 1888 übernahm der Inhaber der Posthilfsstelle dann auch die Zustellung im Ort. „Als Entschädigung dafür würde Ihnen das Paketbestellgeld mit 10 Pf. für jedes Stück sowie das aufkommende Zeitungsbestellgeld gewährt werden. Auch würde eine Erhöhung Ihrer Vergütung auf den Betrag von 65 M eintreten können“, so das Schreiben vom Postamt I in Rendsburg vom 23. August 1888 an Steinbock, der sich sofort bereit erklärte, die eingehende Post im Dorf zu befördern. 1893 übergab Steinbock sein Amt an den Zigarrenfabrikanten Hans Jöhnk, der die Posthilfsstelle bis an sein Lebensende 1913 inne hatte. Er wurde 66 Jahre alt. Für ein Jahr führte seine Witwe Dorothea Jöhnk die Posthilfsstelle, bis der Gastwirt Jürgen Lensch sie 1914 übernahm. Er legte sein Amt jedoch 1922 nieder, weil ihm die Vergütung von 100 Mark jährlich zu niedrig war.

 Sein Nachfolger, der Kaufmann Julius Clausen, war nur 4 Monate lang tätig, und auch der nächste „Telegraphenhilfsstelleninhaber“, der Gastwirt Johann Schmalmack, blieb zunächst nur ein Jahr lang bis zur Aufhebung der Stelle im Januar 1924 im Amt. Die Stelle muß wohl zu unrentabel gewesen sein.

Erst im Zuge der einsetzenden Motorisierung richtete man auf dem Lande wieder Poststellen ein, so auch in Borgstedt. Am 1. September 1928 trat wieder der Gastwirt Schmalmack seinen Dienst an, jetzt aber als Inhaber der Poststelle II, der kleinsten Organisationsform der Post. Ihn löste 1934 der Werkmeister Peter Ehmke als Posthalter II ab. Als er wegen Erreichens der Altersgrenze ausschied, wandelte die Post am 1. Oktober 1955 diese Stelle wegen des ständig wachsenden Postverkehrs durch das Anwachsen des Ortes in eine Poststelle I um und setzte den Meiereigehilfen Ernst-August Kruse als Posthalter I ein. Die Poststelle wurde in seinem Hause, Am Steinberg 5, eingerichtet. 25 Jahre lang versah er trotz seiner schweren Kriegsverletzung seinen Dienst gewissenhaft, bis er am 31. Dezember 1980 in den Ruhestand trat. Seine Nachfolge übernahm am 1. Januar 1981 Frau Heinke Bundt, und bis heute leitet sie die Poststelle I in ihrem Hause in der Dorfstraße mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Auch die Postzustellung hat eine wechselvolle Geschichte: Während am Anfang die Briefpost vom Landbriefträger zu Fuß, später mit dem Fahrrad von Rendsburg nach Borgstedt gebracht wurde, geschah die Anlieferung der Paketpost gegen Mittag durch ein Fuhrwerk der Posthalterei Rendsburg. Später lieferte man die Post durch ein Kraftfahrzeug an.

Im Ort selbst erfolgte die Zustellung zunächst zu Fuß, ab 1953 auf Dienstfahrrädern, und ab Februar 1964 stellte man die Zustellung im Zustellbezirk Borgstedt auf Moped um.

Für die Zustellung waren ab 1958 bis heute Karl-Heinz Lubomierski, von 1966 bis 1983 Magdalene Jeß, als ihre Nachfolgerin ab 1983 bis heute Karin Ratzlaff und seit 1988 auch Renate Lubomierski zuständig.

Am 1. Januar 1973 erweiterte sich der Zustellbereich der Poststelle Borgstedt durch die Einbeziehung des Zustellbereichs der Poststelle Lehmbek. Diese blieb zunächst noch als Annahmestelle bestehen, in der wie bisher Postsendungen eingeliefert, Briefmarken und andere Wertzeichen bezogen sowie die Postbankdienste in Anspruch genommen werden konnten. Später wurde sie aufgelöst.

Ab 1983 wurden auch Bünsdorf und ab 1988 sogar noch Steinrade und Wentorf in den Zustellbereich aufgenommen. Dem Landzusteller, Karl-Heinz Lubomierski, wurde für die Zustellung in seinem vergrößerten Bezirk ein Kraftfahrzeug der Bundespost zur Verfügung gestellt.

Hier enden die Aufzeichnungen von Alfred Hoffmann.


 (2) Hoffmann, Alfred: Borgstedt, Rendsburg: Heinrich Möller Söhne GmbH & Co. KG, 1992.

 

 

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