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Reit - und Fahrverein Borgstedt und Umgebung (RuFV)

Aufzeichnugen der Chronik “Johannes Witt“- veröffentlicht 2004

 

 

1921 gründeten Franz Bielfeldt (Lehmbek), Claus Bielfeldt (Tetenhusen), Claus Kuhr (Hegenholz), Claudius Messer (Steinrade), Kurt Thomsen (Rader Insel), Hinrich Gosch (Rickert) den Reit- und Fahrverein Borgstedt und Umgebung.

Er gehört heute dem Kreissportverband Rendsburg-Eckernförde und dem Kreisreiterbund Rendsburg-Eckernförde an. Auf Landesebene ist er Mitglied im Pferdesportverband Schleswig-Holstein mit Sitz in Bad Segeberg und darüber hinaus in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Warendorf.

Der Verein setzt sich zum Ziel, die reitsportliche Jugend fortzubilden und die Pferde für den Freizeit,- Breiten,-und Leistungssport aller Disziplinen auszubilden. Der Aspekt der artgerechten Tierhaltung im Sinne des Tierschutzgesetzes bildet dafür die Grundlage

Dem Verein gehören gegenwärtig etwa 250 Mitglieder an. Er verfügt über eine vereinseigene Reitsportanlage in Borgstedtfelde mit Freigelände und Halle sowie eine Anlage in Schulendamm, die vorzugsweise Vielseitigkeits- und Freizeitreitern zur Verfügung gestellt wird. 

Die Ausbildung steht im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit. Reitunterricht, Lehrgänge und tägliches Training bilden die Aktivitäten während des Sommerhalbjahrs; im Winter steht die Dressur und das Springen in der Halle im Vordergrund. Eine Voltigiergruppe in Holzbunge rundet die Aktivitäten ab.

Feste Höhepunkt im Jahresablauf  sind die über ein Wochenende angesetzten Turniere, die während der „Grünen Saison“ stattfinden, von zusätzlichen Jubiläumsturnieren abgesehen. Zum traditionellen Jahresprogramm gehören die Vereinsfeste zur Ernte und zu Neujahr.

Somit können die reitsportlichen Aktivitäten im ländlichen Raum auf eine lange Tradition verweisen. Der Reitsport behielt über die Jahrhunderte auch ohne formale Vereinsgründung seine ungebrochene Tradition im ländlichen Raum.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts war das Ringreiten zunächst bei den gesellschaftlich führenden Schichten beliebt. Aber schon im 17. Jahrhundert wurde es zum Volkssport in Landschaften eines wohlhabenden Bauerntums.

Ringreiten und damit Ringreitervereine oder dörfliche Zusammenschlüsse[1] von Bauern und Knechten gibt es nachweislich seit dem 17. Jahrhundert im Herzogtum Schleswig und im westlichen Holstein. Veranstalter der Reiterspiele waren Bauern und Knechte eines Dorfes und seiner näheren Umgebung

Die Reiterspiele mußten damals - ansonsten bei hoher Strafe - von der Obrigkeit genehmigt werden. Das führte oft zu Zwistigkeiten zwischen Bauern und Obrigkeit, weil die Bauern sich auf ihre Tradition und die Freiheit der Bauern beriefen.

Das Ringreiten wurden schon damals mit Umzügen, Musik, gutem Essen und reichlich Bier gefeiert. Die Pferde wurden aus diesem Anlaß herausgeputzt und die Reiter erschienen festlich gekleidet.

1848 wirbt der Gastwirt J. Lensch aus Borgstedt in der Zeitung, es ist das Rendsburger Wochenblatt, um Beteiligung am Scheibenschießen und Ringreiten. Es geht dabei um 20 fette Enten.

1874 lädt Lensch am Montagnachmittag, es ist der 2. Ostertag, diesmal ausschließlich zum Ringreiten ein. Dem Sieger winkt als Preis eine schwedische Egge

Die Vereinsgründung des Reit,-und Fahrvereins Borgstedt und Umgebung  1921 war folgerichtig und erfolgte in einer Zeit, in der sich viele Bürger in unterschiedlichen Vereinen, mit Vereinsstatut, zusammenschlossen.

Da die Chronik des Vereins (1921-1954) durch Feuer vernichtet wurde, lassen sich für diesen Zeitabschnitt nur indirekte Belege für die Vereinsaktivitäten finden.

Das Rendsburger Tageblatt berichtet am 6. Juni 1923 vom bereits 3. Ringreiterfest in Borgstedt

„Am Sonntag feierte der Ringreiterverein von Borgstedt und Umgebung sein diesjähriges 3.Ringreiterfest, verbunden mit einem Fahrturnier. Trotz der nicht gerade günstigen Witterung war die Beteiligung äußerst rege. Das Ringreiten, an dem sich 20 junge Leute beteiligten, nahm um 1/2 2 Uhr auf der Koppel des Gastwirts J.H.Lensch seinen Anfang, wo die Kruse‘sche Kapelle aus Rendsburg konzertierte. Nach 1 1/2 stündigen Reiten erlangte Claus Bielfeld jun., Lehmbek die Königswürde. Den 2.Preis erhielt Johs. Drews, Rickert, der 3.Preis Claus Kuhr, Mohr. Der Feldführer Drews führte die Reiterabteilung, mit Musik voran, nach der Festkoppel, wo das Fahrturnier stattfand. Er hielt eine Ansprache und brachte ein Hoch auf den neuen König aus. Unter ganz besonders guter Beteiligung begann dann um 3 1/2 Uhr das Schönfahren. Das Turnier wurde in 3 Klassen von 19 Gespannen ausgetragen. Zu Preisrichtern waren die Herren Hofbesitzer Joh. P.Messer, Bünsdorf, Hans Haß, Bistensee und Claus Peters, Lehmbek, ernannt. Es war für die Preisrichter nicht leicht in Anbetracht des erstklassigen Materials, und der Anspannung, der Aufgabe gerecht zu werden. Zuerst wurde mit dem Schönheitsfahren der 6 Gespanne der Kaltblut-Zweispänner begonnen. Es waren hier 3 wertvolle Ehrenpreise ausgesetzt:

 

1. Siegerpreis
Claus Bielfeld, Lehmbek
2. PreisWilhelm Lensch, Diekshof
3. PreisHans Naeve, Borgstedtfelde

Im Schönheitsfahren für Warmblut-Einspänner, an der sich 5 Gespanne beteiligten, erlangte den

 

1. Siegerpreis
Hans Naeve, Borgstedtfelde
2. PreisJakob Lensch, Borgstedtfelde
3. PreisHans Jeß, Mohr

 

Den besten Eindruck machten die 8 Gespanne der Kaltblut-Einspänner. Hierbei erhielt den

 

1. SiegerpreisHans Gosch, Rickert
2. PreisJürgen H. Lensch, Borgstedt
3. PreisWilhelm Lensch, Diekshof
4. PreisClaus Kurh, Mohr

Am 29.5.1927 berichtet das Rendsburger Tageblatt folgendes:

„Ein Geschenk von Hindenburg.

Für das diesjährige Reit— und Fahrturnier am Sonntag, den 5.Juni, hat der Reichspräsident von Hindenburg dem hiesigen Reiterverein (Borgstedt) sein Bild geschenkt mit eigenhändiger Unterschrift als Ehrenpreis für das Hindenburg-Jagdspringen. Gleichzeitig wünscht er der Veranstaltung einen guten Verlauf.“

In einem weiteren Bericht der Zeitung vom 10.6.1927 über den Reit— und Fahr­verein Borgstedt heißt es, daß der Sieger des Hindenburg­-Jagdspringens Claus Bielfeld sei und der Ehrenpreis dem Sieger vom Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftet sei.

 

So berichtet das Rendsburger Tageblatt vom 21.11.1931

„Eine Fuchsschwanz-Reitjagd veranstaltet der Reiterverein Borgstedt am kommenden Sonntag. Der geeignetste Aufstellungsplatz für Zuschauer ist beim Hohenort an der Borgstedter Enge. Nachdem die früher so beliebten Standortreitjagden der Garnison Rendsburg nicht mehr stattfinden, ist es zu begrüßen, daß die ländlichen Reitervereine Ersatz dafür bieten. Dem interessierten Publikum ist dadurch Gelegenheit gegeben, auch in Zukunft dem Reisport beiwohnen zu können. Gutes Pferdematerial und die gründliche Ausbildung der Reiter des hiesigen Reitervereins lassen einen interessanten Verlauf der Veranstaltung erwarten. Die Teilnehmer versammeln sich um ½ 2 Uhr nachm. bei der Gastwirtschaft von J-H. Lensch in Borgstedt.“

 

1938 veranstaltet der Verein erneut eine Fuchsjagd. Das Rendsburger Tageblatt vom 24.2.1938 berichtet darüber:

Fuchsjagd des Reiterverein

„Der hiesige Reiterverein hatte seine Mitglieder am Sonntag zu einer Fuchsjagd eingeladen. Gegen 1 Uhr versammelten sich hier die zahlreichen Teilnehmer und hörten vor der Fuchsjagd gemeinsam die Übertragung der Führerrede. Anschließend führte der gemeinsame Ausritt der Reiter auf einer abgesteckten Bahn am Kanal entlang nach Schirnau. Hier fand auf einer großen Weidekoppel des Gutes Schirnau, die der Besitzer freundlichst zur Verfügung gestellt hatte, die eigentliche Fuchsjagd statt. Der “Fuchs“, der Sieger der vorjährigen Fuchsjagd, Haß aus Bistensee, machte es seinen Reiterkameraden nicht leicht und wußte durch geschickte Wenden seinen Verfolgern immer wieder auszuweichen. Nach einer aufregenden Jagd gelang es dann dem Reiter Erwin Sievers-Rickert, den heiß umkämpften Fuchsschwanz zu erhaschen. Damit hatte die Fuchsjagd ihr Ende gefunden. In der Ströh’schen Gastwirtschaft in Schirnau versammelten sich anschließend die Reiter und ihre Angehörigen und vielen Freunden des Reitsports zu einer gemeinsamen Kaffee­tafel. Als Anerkennung wurde dem Sieger der Fuchsjagd ein Bild überreicht“.

Das 19. Turnier im Jahre 1939 umfaßte bereits Ringreiten, Lanzenreiten und Geschicklichkeitsreiten. Es sollte vorerst das letzte bleiben, denn während der Kriegsjahre fanden keine Veranstaltungen mehr statt, [2] denn während des Krieges ruhte das Vereinsleben.

Erst im beginnenden Frühjahr 1947 regte sich die reitersportliche Tradition in der Umgebung wieder und begann mit dem, was Krieg und Arbeit übriggelassen hatten: wuchtige Ackerpferde ,Hannoveraner, Holsteiner und dazwischen schlanke Trakehner, so vielgestaltig wie die Bevölkerung damals auch, aber geeint durch die Freude am Reiten und Zuschauen

Wer mit Pferden arbeitet, mit ihnen zu tun hatte, konnte an dem Fest teilnehmen, dem Ringreiten.

Eine stattliche Reiterschar aus den umliegenden Dörfern in Lehmbek zog  festlich gekleidet hoch zu Roß hinter einer Blaskapelle durch das Dorf, vorbei am Spalier der Bewohner und Gäste, weiter auf eine dorfnahe Festkoppel. Franz Bielfeldt´s Koppel in Lehmbek

Da standen sie: die Pferde mit glänzendem Fell, gekämmter Mähne und gebürstetem Schwanz, das Zaumzeug schimmerte in mattem Schwarz, selbst die Hufe des breitesten Ackerpferde waren gewienert.

Vor ihnen stand ein girlandengeschmücktes Stangenviereck aus kräftigem Rundholz, dessen Querstange in einem Flaschenzug hängend in ihrer Mitte eine kleine Lochscheibe in einer Klammer hielt.

Diese Lochscheibe galt es aus dem Galopp heraus mit einem pistolengroßen eisernen Haken aus der Klammer zu ziehen.

Jeder Reiter gab sein Bestes und ritt durch eine begeisterte Zuschauergasse auf das Stangenviereck zu. Man geizte weder mit Anfeuerungsrufen noch mit spöttischen oder gar hämischen Bemerkungen.

Anlässe dazu gab es genügend, sei es, daß ein schwerer Ackergaul bislang im Umgang mit Pflug und schwerem Wagen gewöhnt, jetzt für ihn ohne ersichtlichen Grund in einen wenn auch nur kurzen Galopp verfallen sollte. Überreden half dann doch. Dann besann sich manch ein Ackergaul eines besseren, zeigte guten Willen und legte einen soliden nicht zu schnellen Galopp hin, unterstützt von vehementen, bei jedem Galoppschritt ausgestoßenen “Fanfarentönen“. Dem Reiter war es peinlich, so einen tönenden Koloß zu reiten, aber alle hatten ihren Spaß daran.

Es kam auch vor, daß ein schnelleres Pferd aus Übermut oder Angst vor der Zuschauerkulisse losgaloppierte, ohne sich um den Reiter zu scheren und der dachte nur daran, oben zu bleiben, wußte er doch, daß plötzliches unfreiwilliges Absitzen keineswegs als ehrenhaft angesehen wurde -„Sandreiter“ hieß er dann. Er erhielt zum Zeichen seiner Schmach auch noch beim nächsten Umzug ein Weißbrot an einer Schnur umgehängt und ritt als letzter im Zug.

Sieger (König) des Turniers war der Reiter mit den meisten Ringen .Er ritt als erster mit einer blau-weiß-roten Schärpe angetan hinter der Kapelle.

Die Königin wurde über das Fischstechen ermittelt.

Mit den kommenden Jahren stiegen die Ansprüche an die Leistung der Pferde und Reiter und das führte zu einer sichtbaren Auslese der Pferde. Ackerpferde blieben dort wo sie gebraucht wurden. Schöne, schlanke Reitpferde nahmen ihre Plätze ein und der Wettbewerb änderte sich: weg vom Ringreiten für jeden, hin zum Springturnier und zur Dressur für wenige.

Die plazierten Reiter erhielten jetzt Preise. Reiterausrüstungen, wertvolle Gebrauchsgegenstände, später Pokale. All das konnte man jetzt in dem Holzschuppen von Tischler Embke schön aufgebaut bestaunen.

Das Reit- und Fahrturnier hatte zwar die traditionelle Form des Ringreitens verdrängt, aber die Begeisterung und Anteilnahme der Bevölkerung blieben ungebrochen.

Die Turniere fingen an, bald nach der Währungsreform richtig Geld zu kosten. Preise, Organisation und technische Musikübertragung – eine Kapelle benötigte man jetzt nur noch für den Umzug – wollten und mußten bezahlt sein. Und die Besucher mußten von nun an Eintrittsgeld berappten, viele kamen nach wie vor, aber für einige war der Eintrittspreis ein viel zu hohes Hindernis. Schade, war das Turnier doch auch ihr Fest, ein Dorffest.

1948 begann dann die geregelte Vereinsarbeit wieder mit der Reiterausbildung der Mitglieder, allerdings unter den damals obwaltenden Bedingungen. Der Ausbilder fuhr von Ort zu Ort, von Gruppe zu Gruppe - mit dem Rad. Das erste Springreiter- Turnier des Vereins nach dem Kriege fand am 10. 07. 1949 in Lehmbek statt.

Die Gebrüder Plöhn aus Rickert/Dutten dominierten des Turniergeschehen. Zur Teilnahme an auswärtigen Turnieren zogen die Aktiven mit Kutschgespann, Turnierpferden und Handpferden ersteinmal dorthin, sprangen, fuhren, feierten und am nächsten Tag ging es heimwärts. Der Verein konnte damals  außer den Springreitern immerhin schon mehrere Gespannfahrer melden.

Das Turniergeschehen gestaltete sich in den Folgejahren immer vielseitiger, die Prüfungen anspruchsvoller und die Teilnehmerzahl wuchs. Gemeinden, Sparkasse, Landeszeitung und der Ministerpräsident stifteten Preise und Pokale. Das Borgstedter Turnier zog Reiter aus dem ganzen Land und aus Hamburg an.

1961. Die zweitägige glänzend durchgeführte Pferdeleistungsschau in Borgstedt anläßlich des 40.-ten Bestehens des Vereins war mit 80 gemeldeten Pferden eine großartige Demonstration für die Pferdezucht und den Reitsport. Denn angesichts der stetig fortschreitenden Technisierung in der Landwirtschaft nahm die Pferdehaltung rapide ab.

Noch legte sich flotte Marschmusik über den Turnierplatz für das Springen, Fahren, Reiten im Gelände und die Dressur. Rassige Holsteiner und Hannoveraner stapften und scharrten ungeduldig den Grasboden, ein scharfer Wind zerrte respektlos an Zelten und Flaggen und 700 reitbegeisterte Borgstedter säumten den Parcours an der Hauptstraße, begleiteten die Teilnehmer zum Turnierplatz. Das Schiedsgericht wachte mit strengem Blick über das Geschehen.

Die Pferde verschwanden eines nach dem anderen von den Höfen. Sie machten Platz für ihre Nachfolger, und die hießen nicht mehr „Liese“ und „Lotte“, sondern Ferguson und Fahr.

Es fehlte in den Folgejahren nicht an Pferden, mit denen ein Turnier hätte beschickt werden können, es fehlte an Geld, mit dem man ein Turnier ausrichten wollen. Ohne finanziellen Rückhalt stand das Räderwerk des Vereins- und Turniersports still.

Ab 1969 trat diese Stille ein -  Ruhe.

Erst 1973 tagte der Vorstand erneut und beschloß ohne großes Aufheben, die Vereinstätigkeit im folgenden Jahr mit einem Gelände-Turnier fortzusetzen. Der sportliche Anschluß an die vergangenen Jahre gelang glänzend dank der zunehmenden Begeisterung den der Reitsport unter den Freizeitsportarten inzwischen einnahm. Damit zog er gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Sponsoren auf sich, die mit ihrem Geld und die Reiter mit ihrer Begeisterung die Grundlagen für die Anlagen, das sportliche Angebot und das Vereinsleben der folgenden Jahre schufen und sicherten.

Hier enden die Aufzeichnungen des Johannes Witt

 

Melkermeister Otto Kulp ist seit 1968 Mitglied im RuFV

Nicht umsonst wird Otto hier erwähnt, denn neben seiner fünfzehnjährigen Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied der SPD ist es ihm zu verdanken, dass hier über die Ereignisse der vergangenen vierzig Jahre berichtet werden kann. Akribisch hat er Zeitungsausschnitte gesammelt, die uns heute einen einen interessanten Einblick in die vergangene Veranstaltungen und Vereinsarbeit gewähren.

Die Sechziger Jahre standen im Zeichen der Pferdeleistungsschauen, die jährlich an Pfingsten stattfanden und neben Springprüfungen, Geländeritten und, die Königsklasse des Pferdesports, die Dresssurprüfung, beinhalteten. Pokale und Preise wurden von den Gemeinden gestiftet und den Siegern übergeben. Der Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein war natürlich besonders begehrt. Dieser konnte 1967 dem Osdorfer Wolfgang Raabe aus der Hand des Landrats Freiherr von Gayl verliehen werden. (Foto)

Die Lokalpresse war voll des Lobes der beliebten Leistungsschauen. Neben der vielfältigen, reichlichen Beteiligung wurde besonders die professionelle Organisation und Durchführung, sowie die Betreuung der Aktiven als vorbildlich erwähnt. An Pfingstsonntag, dem 2. Juni 1968 findet die vorerst letzte Leistungsschau auf dem Turnierplatz neben Borgstedts Hauptstraße statt, obwohl das Interesse groß ist. Laut Berichterstattung der Landeszeitung säumen rund 700 Reitsportenthusiasten den Parcours und schauen sich die Wettkämpfe der 99 Pferde an. Otto Kulp notiert dazu: „Die Helden sind müde – kein Turnier von 1969 bis 1973.“

Der Vereinsvorsitzende Werner Drews begann den Neuanfang der reiterlichen Wettbewerbe 1974 mit einem Geländeritt. Treffpunkt war der Hof Schildhauer in Schulendamm. 58 Reiter bewältigen 15 Hindernisse auf der fünf Kilometer langen Strecke. Unter ihnen befand sich aus Karl Schulz aus Bad Schwartau, der der Olympiamannschaft angehörte. In den kommenden Jahren wurde diese Veranstaltungsart mit steigender Beteiligung zum festen Programmpunkt des Vereins. Im Laufe der Jahre wurden die Aktivitäten um die Hubertusjagd und Schnitzeljagd erweitert. (Foto)

1977 wurde die Pony-Reiter-Abteilung aufgestellt, in der 18 Ponyreiter von Reitlehrer Hans Lange ausgebildet wurden. Am Ende des Jahres anlässlich einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kann der Verein 25 neue Mitglieder begrüßen, die ad hoc der Vereinigung beitreten. Das Vereinsleben nimmt wieder Fahrt auf. Neben der Reiterübungen, Teilnahme an Turnieren befreundeter Vereine und Besuche an Auktionen und Versteigerungen gibt es eine Menge gesellschaftlicher Veranstaltungen, wie der Reiterball, das jährliche Grünkohlessen, gemeinsame Fahrten zu Veranstaltungen aller Art, gemeinsame Badeausflüge im Sommer und das im Dezember stattfindene Weihnachtsreiten.

Seit 1980 finden auf Schulendamm wieder Vielseitigkeitsprüfungen, bestehend aus Dressur, Geländeprüfung und Jagdspringen, statt. Durch die Spendenfreudigkeit einiger Mitbürger konnte am 1. Mai 1983 der langjährige Wunsch der Reiter endlich Wirklichkeit werden. Mit den Worten „Sie soll nicht nur ein Schmuckstück, sondern vielmehr ein Symbol sein“, übergibt Pastor Oberjart die Standarte (Foto) dem Vorsitzenden Hans Claus Ehlers. „Die Mitglieder sollen sich deshalb von ihrem Anblick beflügeln und in ihrer Arbeit anspornen lassen.“ Flankiert von Standartenreitern des St. Georg Winning und St. Hubertus Klint trabt Torsten Eim zum Ende der feierlichen Übergabe mit dem neuen Vereinsinventar mehrere Runden vor den Augen der Zuschauer über den Turnierplatz.

Bei der ersten Vereinsmeisterschaft am 6. Oktober 1985 setzte sich Petra Holst vor Nils Zenke und Dieter Göttsche als Siegerin durch. Hubert Zenke errang den ersten Platz vor Dieter Göttsche im Mächtigkeitsspringen. Gemeinsame Dritte wurden Sybille Greve, Sven Bielfeldt und Jörg Brüchmann. Auch in den folgenden Jahren tauchen diese Namen in den Siegerlisten auf. Weitere Sieger  bei den Senioren Karl-Wilhelm Büdding, Lothar Möding, bei den Junioren: Inga Büdding, Birgit Bombach und Timo Zenke. In weitere Siegerlisten konnten sich Birte Ammann, Christiane Breitfelder sowie Christiane Sye verewigen.

Nachdem bereits zwei Jahre zuvor auf dem Übungsplatz großer Schaden durch die mutwillig Zerstörung der Hindernisse erfolgt war, brannte am 6. Juni 1986 das Abstellhaus, das aufgrund des früheren Vorfalls erbaut wurde, ab. Der größte Teil der gelagerten Materialien verbrannte. Es entstand ein Schaden in geschätzter Höhe von 10.000,- DM.

Im Sommer 1987 fand auch wieder das in Vergessenheit geratene, beliebte Ringreiten statt, das allerdings in den vergangenen Jahren eher ein Schattendasein führte weil es nicht den Stellenwert der Turniere hatte. Neben den Reitern hatten auch die vielen Zuschauer ihren Spaß an dem reiterlichem Ringsammeln. In den folgenden Jahren entwickelte es sich zum Besuchermagneten. Im Beiprogramm gab es Ponyreiten für die „Kleinen“, Geschicklichkeitsspiele für die“Großen“. Verschiedene Koppel oder Wiesen im Dorfgebiet wurden zu Austragungsorten, aber zuvor gab es immer einen Umzug mit Kapelle durch das festlich geschmückte Dorf.

Die Landeszeitung berichtet am 19. September 1992:

Der Bürgermeister ging zu Boden …

27 Jugendliche und 28 Erwachsene hatten sich zum Ringreiten des Reit- und Fahrvereins Borgstedt eingefunden. Mit dem Umzug hoch zu Roß, den viele Bürger vom Straßenrand aus verfolgten, hatte die Veranstaltung begonnen. Für die schwungvolle Begleitung des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Elsdorf-Westermühlen. Auf der Koppel des 1. Vorsitzenden Hans-Claus Ehlers wurde es dann „ernst“. Zu Boden ging ausgerechnet Bürgermeister Willi Hoffmann, der sich dafür den Stuten des Sandreiters umhängen lassen durfte. Begründung des SPD-Mannes für sein Mißgeschick: „Das Pferd wollte rechts, der Reiter natürlich links herum . . .“ In zehn Durchgängen konnten maximal 20 Ringe erzielt werden. Königin bei den Jugendlichen wurde Isabell Bauer aus Büdelsdorf mit zwölf Ringen. Auf den Plätzen folgte Miriam Tischler und Christina Borath, beide Büdelsdorf, beide elf Ringe. Bei den „Großen“ war Susanne Ahrndt mit 17 Ringen vor Nils Zenke, Borgstedt, und Maren Jebe, Bünsdorf, beide zwölf Ringe, erfolgreich. (cc)

 

Das Reitsportzentrum in Borgstedtfelde

Die Entwicklung des „Pferdelandes“ Schleswig-Holstein im Breitensport und aus touristischen Erwägungen schreitet voran. Auch in Borgstedtfelde entsteht 1996 ein Reitsportzentrum mit allem was das Reiterherz begehrt. Auf Initiative von Johann Lensch-Thiedemann und Peter Domenus entsteht nach monatelanger Planung eine großzügige, pferdgerechte Anlage mit Gras- und Sandspringplätzen, einem Dressurviereck, einer 20 x 60 Meter messenden Reithalle und natürlich mit Innen- und Außenboxen, sowie ein weitläufiges Ausreitgelände. Hier findet der Reitverein ebenfalls seine neue Heimat und auf dem Turnierplatz die Voraussetzung hochwertige Veranstaltungen zu organisieren. Die um den 1. Mai stattfindenden Turniere finden sehr schnell Anklang bei Reitern nicht nur aus dem Regionalbereich sondern weit darüber hinaus. An drei ereignisreichen Tagen können die zahlreichen (Fach)-Besucher bis zu 400 Pferde in verschiedensten Disziplinen erleben. Der aufwendig geschmückte und reichlich beflaggte Platz lockt bis zu 5.000 Zuschauer an, die Reitsport erleben wollen oder einfach nur die schöne Atmosphäre der Veranstaltung mit entsprechenden Rahmenprogramm genießen wollen. Neben Ruhm und Ehre geht es inzwischen auch um Siegprämien in Form barer Münze. Den Siegern und Platzierten winken insgesamt Schecks einer fünfstelligen Summe, die größtenteils aus Sponsorengeldern und Spenden finanziert werden. Während in den früheren Jahren meistens die männlichen Vereinsmitglieder die Siege errangen, haben nun vermehrt die Amazonen des Vereins die Nase vorn. Anja Wichmann, Tina Kreinsen und Janet Maas finden sich häufig in den Sieger- und Platziertenlisten. Im Mai 2014 fand das Abschiedsturnier in Borgstedtfelde statt. Das Gelände wurde verkauft und einer neuen Nutzung zugeführt. Damit enden ebenfalls Ottos Interesse und Engagement.

Prominente Namen auf und am Turnierplatz

Häufiger Teilnehmer in Schulendamm war Hinrich Romeike, der als Vielseitigkeitsreiter 2008 in der Einzel- wie auch in der Mannschaftswertung olympisches Gold bei den Reitwettbewerben in Hongkong anlässlich olympischen Spiele in Peking gewann. Zwei Jahre zuvor war er bei den Weltreiterspielen in Aachen ebenfalls erfolgreich und belegte den ersten Rang im Mannschaftswettbewerb. Sein Mannschaftskamerad 2008 in China und Goldmedalliengewinner mit der Mannschaft vier Jahre später in London Peter Thomsen war ebenfalls mehrfach in Borgstedtfelde vertreten. Ebenso Carten-Otto Nagel aus Friedrichkoog der 2010 Weltmeister in Mannschaftsreiten wurde. Sein Vater, Tjark Nagel, der 2005 in Kopenhagen seinen letzten Nationenpreis gewann und 2011 erstmals als Eqiupechef der deutschen Mannschaft bei Nationenpreisen auftrat, war schon in Schulendamm kein Unbekannter.

1989 konnte der 1. Vorsitzende Hans-Claus Ehlers den schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsminister Hans Wieben in Schulendamm willkommen heißen.

 

Mitgliederentwicklung von 2005 bis 2019

Schwindende Zahlen weisen die Unterlagen aus: Der Mitgliederbestand sinkt stetig, während der Verein in 2005 noch 252 Mitglieder verzeichnet, sind 2019 lediglich 97 aufgeführt. Besonders prägnant ist der Rückgang Jugendlicher, nämlich von 115 auf nur noch 8 im oben angeführten Berichtszeitraum. Während bei den erwachsenen Vereinsmitgliedern die Zahlen bis 2013 recht konstant sind und zwischen 135 und 149 liegen, findet in der Folge ebenfalls ein Mitgliederschwund statt, sodass es zu Beginn des Jahres 2019 lediglich 89 verzeichnet sind. Sicher eine Folge des Verlustes der Reitplätze, die von der Reitsportanlage gepachtet waren. Trotz intensivster Suche nach einer geeigneten Reitfläche wurde man bis zum heutigen Tag nicht fündig.

 

Vereinsvorsitzende

 

1921 bis ? 
Claus Bielfeldt (von 1939 bis 1946 ruhte die Vereinstätigkeit)
? bis 1950Claudius Messer aus Steinrade (danach Ehrenvorsitzender)
1950 bis 1959Hinrich Gosch aus Rickert (danach Ehrenvorsitzender)
1958 bis 1973Franz Bielfeldt aus Lehmbek (danach Ehrenvorsitzender)
1973 bis 1978Werner Drews aus Büdelsdorfer
1978 bis 1995Hans Claus Ehlers (danach Ehrenvorsitzender)
1995 bis 1999Peter Domenus aus Borgstedt
1999 bis 2002Heiner Lott aus Bredenbek
2002 bis 2005Andreas Ramm aus Westerrönfeld
2005 bis ?Timo Zenke
? bis 2016Benjamin Bollmus
2016 bisJessica Golke

Ehrenmitglieder

mindestens 40 Jahre Vereinszugehörigkeit

Franz Bielfeldt, Lehmbek

Claus Bielfeldt, Ascheffel

Kurt Thomsen Rader Insel

Wilhelm Lensch, Diekshof

Klaus Kuhr, Hegenholt

 

Das hundertjährige Jubiläum

2021 ist für den Verein ein besonderes Jahr, denn der Verein kann sein 100-jährige Jubiläum begehen. Damit ist der Borgstedter Reitverein der älteste bestehende, aktive Verein im Dorf. „Wir werden auf alle Fälle das Jubiläum mit einem festlichen Ringreiten in alter Manier feiern“, so Jessica Golke, die derzeitig 1. Vorsitzende, „mit Musik und allem Drum und Dran.“ Leider ist der Verein in einer bedrohlichen Situation. Der Mitgliederschwund ist kaum aufzuhalten, neue Mitglieder zu rekrutieren fast unmöglich. „Viele wollen gern reiten aber scheuen sich, sich einem Verein anzuschließen, zumal uns ein kein Reitgelände zur Verfügung steht,“ meint Jessica. Noch schwieriger ist es Vereinsmitglieder zu bewegen, Verantwortung und einen Posten in der Vereinsarbeit zu übernehmen.

 


[1]              Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V., Jahrgang 2001, Seite 123, Verfasser: Johann Kempe

[2]              Auskunft Peter Rohwer , Rickert

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